Am Donnerstag wurde die gesellschaftspolitische Bedeutung der Personenbetreuung bei einem Mediengespräch der Wirtschaftskammer hervorgehoben. Im Fokus stand die bevorstehende Verleihung des "Daheim Betreut Awards", der Menschen ehrt, die sich tagtäglich um Pflegebedürftige kümmern.
Am 27. März 2025 fand ein außergewöhnliches Mediengespräch der Wirtschaftskammer Österreich statt. Unter der Leitung von Andreas Herz, dem Obmann des Fachverbands Personenberatung und Personenbetreuung, wurde nicht nur die gesellschaftspolitische Relevanz der Personenbetreuung in Österreich hervorgehoben, sondern auch die bevorstehende Verleihung des „Daheim Betreut Awards“ gefeiert. Der Preis soll die Menschen ehren, die sich tagtäglich um Pflegebedürftige kümmern – und doch häufig unsichtbar bleiben.
Das Mediengespräch war hochkarätig besetzt: Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Karin Hamminger, Vorsitzende der Jury des „Daheim Betreut Award“, sowie der bekannte Dompfarrer zu St. Stephan Toni Faber nahmen teil. Gemeinsam betonten sie, wie wichtig es sei, den Betreuern und Betreuerinnen in Österreich endlich die Anerkennung zu zollen, die sie verdienen.

Dompfarrer zu St. Stephan Toni Faber, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes Ingrid Korosec, Vorsitzende der Jury Karin Hamminger, Fachverbandsvorsitzender Personenberatung und Personenbetreuung WKO Andreas Herz.
500 Bewerbungen, 19 Gewinner
Der „Daheim Betreut Award“ ist mehr als nur eine Auszeichnung: Es geht um Sichtbarkeit und Anerkennung für die Menschen, die oft im Stillen ihre Arbeit leisten. Laut Karin Hamminger, Vorsitzende der Jury, wurden aus über 500 Bewerbungen insgesamt 19 Gewinner:innen ausgewählt. Pro Bundesland wurden zwei Betreuende ausgezeichnet, in Vorarlberg sogar drei. Diese Preise sollen nicht nur den Wert der Arbeit der Betreuenden anerkennen, sondern auch das öffentliche Bewusstsein für die wichtige Rolle der Personenbetreuung in unserer Gesellschaft schärfen.
„Dank des Daheim Betreut Awards wird die Sichtbarkeit der Personenbetreuerinnen und -betreuer deutlich gesteigert“, so Hamminger. Doch nicht nur der Preis selbst wird die Aufmerksamkeit auf diese oft übersehene Branche lenken, sondern auch die steigende Bedeutung der 24-Stunden-Betreuung, die in vielen Haushalten zur Norm geworden ist.
Gesellschaftlicher Wandel und Herausforderung der Betreuung
Dompfarrer Toni Faber brachte einen weiteren wichtigen Punkt zur Sprache: die ethische Verantwortung, die mit der Betreuung älterer Menschen einhergeht. „Die alten Betreuungszyklen des Mehrgenerationenhaushalts existieren nicht mehr. Immer mehr Menschen leben in Single-Haushalten, und diese Herausforderung wird nicht nur in städtischen Gebieten, sondern auch im ländlichen Raum immer größer“, sagte Faber.
Gerade in einer Zeit, in der immer mehr ältere Menschen in Pflegebedürftigkeit geraten, müsse die Gesellschaft sich dieser Verantwortung stellen. Dies sei nicht nur eine moralische Verpflichtung, sondern auch eine strukturelle Notwendigkeit.
24-Stunden-Betreuung als Modell der Zukunft
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, lobte die 24-Stunden-Betreuung als „Betreuungsmodell der Zukunft“. Sie sieht darin eine wichtige Entlastung für das überlastete Gesundheits- und Pflegesystem und vor allem eine bessere Möglichkeit, auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen und ihrer Familien einzugehen. „Pflege und Betreuung in den eigenen vier Wänden bedeutet für viele Menschen Lebensqualität“, so Korosec.

Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes Ingrid Korosec; Dompfarrer zu St. Stephan Toni Faber.
Sie fordert eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die 24-Stunden-Pflege, um diese auch für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. So soll die Einkommensgrenze für Förderungen von derzeit 2.500 Euro auf mindestens 3.500 Euro angehoben werden. „24-Stunden-Pflege darf kein Luxus sein“, betont Korosec, und auch die Förderungen müssten von derzeit 800 Euro auf 1.500 Euro pro Monat steigen. Nur so könne die Pflege in den eigenen vier Wänden langfristig gesichert werden.
Ein Blick in die Zukunft der Personenbetreuung
Der Bedarf an qualifizierten Personenbetreuern wächst. In Österreich sind derzeit etwa 57.000 Personenbetreuerinnen und -betreuer tätig – ein Rückgang um rund fünf Prozent im Vergleich zu 2020. Prognosen zufolge wird der Bedarf bis 2030 auf rund 80.000 Personenbetreuerinnen und -betreuer steigen. Fachverbandsobmann Andreas Herz fordert daher eine bundesweite Strategie, um dieser Entwicklung gerecht zu werden und die Attraktivität des Berufs zu steigern.

Fachverbandsvorsitzender Personenberatung und Personenbetreuung WKO Andreas Herz; Vorsitzende der Jury Karin Hamminger.
„Die demographische Entwicklung zeigt klar: Der Bedarf an Personenbetreuern wird stark steigen“, so Herz. „Deshalb müssen bereits heute die Weichen für eine nachhaltige Strategie gestellt werden.“ Besonders wichtig sei es, bürokratische Hürden abzubauen und den Beruf der Personenbetreuung in Österreich langfristig zu stärken. Die Wirtschaftskammer setzt sich für die Entwicklung eines überparteilichen Konzepts ein, das den Bedürfnissen der Gesellschaft entspricht.
Der Höhepunkt: Die Verleihung
Die feierliche Verleihung des „Daheim Betreut Awards“ wird am 3. April 2025 im Palais Ferstl in Wien stattfinden. Der Preis wird an 19 herausragende Betreuerinnen und Betreuer vergeben, die in den letzten Jahren besonders engagiert und einfühlsam gearbeitet haben. Es sind die Helden des Alltags, die mit Empathie, Geduld und Flexibilität einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Doch nicht nur die Preisverleihung soll im Vordergrund stehen, sondern auch die dringend notwendige Diskussion über die Zukunft der Personenbetreuung in Österreich.
„Mit diesem Award wird die oft unsichtbare Arbeit von Personenbetreuern endlich gewürdigt“, so Andreas Herz. „Denn was diese Menschen leisten, ist unverzichtbar für eine funktionierende Gesellschaft.“
Fazit: Ein notwendiges Umdenken
Der „Daheim Betreut Award“ ist nicht nur ein Zeichen der Anerkennung, sondern auch ein Aufruf an die Gesellschaft, die Bedeutung der Personenbetreuung endlich in vollem Umfang zu verstehen. Die demographische Entwicklung erfordert ein Umdenken in der Pflege- und Betreuungspolitik, und nur durch konkrete Maßnahmen können die Bedürfnisse der Betroffenen in Zukunft besser berücksichtigt werden. Die Verleihung des Awards ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung – doch sie sollte nur der Anfang einer breiten gesellschaftlichen Diskussion über den Wert von Pflege und Betreuung in unserer Gesellschaft sein.