Drei Kinder der Familie Fritzl gehen wieder in die Schule. Zum Schutz wurde die Aktion lange und genau geplant. Es herrscht strenge Geheimhaltung.
"Ich vermisse die Feuerwehr, ich vermisse die Schule" - mit diesen Worten wandte sich der zwölfjährige Alexander Anfang Mai an die Öffentlichkeit, als jedes der Inzest-Opfer von Amstetten Wünsche und Sehnsüchte aufzeichnete.
Herzenswunsch geht in Erfüllung
Jetzt geht für Alexander und
seine Geschwister Lisa (15) und Monika (14) einer dieser Herzenswünsche in
Erfüllung: Ab Montag werden sie wieder regelmäßig zur Schule gehen.
Es handelt sich bei den drei Kindern um jene, die nicht im Keller-Verlies gefangen wurden, sondern „oben“ mit Großmutter Rosemarie und Großvater Josef Fritzl gewohnt hatten.
Die Informationen zum bevorstehenden Schulstart bestätigte jetzt die Direktorin der bisherigen Schule der Kinder im Gespräch mit ÖSTERREICH. Die Schulleiterin korrigiert dabei auch eine Falschmeldung einer österreichischen Tageszeitung, wonach Lisa (15) schon in den vergangenen Wochen öfter in die Schule gegangen wäre, um Prüfungen abzulegen. "Wir sind dafür ins Klinikum Mauer gefahren, nicht umgekehrt", klärt Maria Hosa im Gespräch auf.
Top secret
Die zuständigen Verantwortlichen und die jeweiligen
künftigen Schuldirektoren der Kinder seien gut vorbereitet, versichern die
Behörden. In welche Schulen die drei Kinder künftig gehen werden, ist streng
geheim.
Lange geplant
"Die ganze Aktion wurde schon von langer Hand
vorbereitet und alles hat sehr gut funktioniert“, sagt der
Sicherheitsbeauftragte Fritz Lengauer. Er hat Kontakte zu den notwendigen
Stellen geknüpft und wurde überall mit offenen Armen empfangen: „Wir wollen
den Kindern einen harmonischen Start ins neue Schuljahr ermöglichen. Daher
richtet deren Mutter Elisabeth auch einen Appell an alle Medien, die Kleinen
in der Schule in Ruhe zu lassen. Sonst müssten wir diesen Versuch wieder
beenden. Tatsache ist, dass sich die Mädchen und der Bub schon irrsinnig auf
den Unterricht und ihre neuen Klassenkollegen freuen“, so Lengauer.
Sicherheitsmaßnahmen werden verschärft
Im
Landesklinikum Mauer, wo die Inzestopfer seit ihrer Befreiung Ende April
untergebracht sind, werden die Sicherheitsmaßnahmen in den nächsten Tagen
verschärft. Es herrscht Alarmstufe Rot. Sogar von einer neuen Identität für
die Kinder und einer Zukunft unter falschen Namen ist die Rede. Zudem
könnten die drei aus taktischen Gründen auf drei verschiedene Schulen
geschickt werden. Psychologin Rotraut Perner ist gegen diese Lösung: „Sie
brauchen die vertraute Umgebung und den Umgang mit ihren Freunden.“ Kein
Wunder: Seitdem die Familie in Betreuung ist, versuchten Dutzende meist
ausländische Paparazzi, das erste Foto von den Kindern oder ihrer Mutter
Elisabeth F. zu schießen.
Privatschule in Oberösterreich?
Aufgrund des extremen auch
internationalen Medieninteresses ist jedenfalls davon auszugehen, dass die
Kinder keine öffentliche Schule besuchen werden.
Ein möglicher Coup des Betreuungsteams nach Bekanntwerden der Schulpläne: Zumindest eines der Kinder könnte auch eine Lehranstalt im nahen Oberösterreich besuchen.
Dort ist erst nächste Woche Schulbeginn - genügend Zeit, damit sich das große Interesse der Öffentlichkeit abschwächt und der Start ins Schuljahr noch diskreter ablaufen kann. Anbieten würden sich dabei vor allem Privatschulen in Steyr (nur 42 Autominuten von Amstetten entfernt) oder Linz (41 Fahrminuten entfernt).
Auch die anderen drei Kinder, die im Verlies aufwachsen mussten - Kerstin (19), Stefan (18) und Felix (5) - bekommen jetzt Unterricht. Sie können aber noch nicht zur Schule gehen, sondern werden von Lehrern besucht.