Mann war im Knast
Ehepaar trotz bestem Alibi in Haft
19.08.2009
Seit Mai sitzen ein Holländer und seine Ehefrau wegen eines Drogendeals in U-Haft. Obwohl der Angeklagte zum Tatzeitpunkt im Knast war.
Der Innsbrucker Anwalt Michael Kramer war anfangs skeptisch – jetzt ist er überzeugt: Sein Mandant Puck van T. ist ein Justizopfer. Der Mann ist seit Mai in Haft, „obwohl er unschuldig ist“. Damals wurde der Holländer (56) mit Gattin Marian in München verhaftet. Wegen eines Tiroler Haftbefehls.
Alibi
Der Vorwurf: Am 21. September 2007, um 18 Uhr, wurde an der
Schweizer Grenze ein Mann mit Kokain verhaftet. Der Tiroler (der schon
mehrmals als Zeuge bei Prozessen aufgetreten ist) gab an, den Stoff am
selben Tag in St. Gallen von van T. gekauft zu haben. Der Haken, so Kramer:
„Der saß an dem Tag in Westlinge in Holland bis 16.15 Uhr im Gefängnis.“
Abends habe der Freigänger gearbeitet. ÖSTERREICH vorgelegte Akten
bestätigen dies.
„Suspekt"
Der Holländer ist zwar kein Unschuldslamm:
Er saß eine Strafe für ein Drogendelikt ab, das er in Österreich begangen
hatte. „Trotzdem muss die Unschuldsvermutung gelten, und ein Alibi muss
Enthaftung bedeuten“, so Kramer. Doch die U-Haft wurde verlängert, auch über
Gattin Marian (50), einer Zöllnerin. Ihr wird Beihilfe vorgeworfen, was
Kramer „völlig suspekt“ ist.
Prozess
Ein Justizsprecher in Innsbruck sagt: Ob die Haft
rechtens sei, müsse „im Hauptverfahren entschieden werden“ – das am 22.
September stattfindet.