Der 39-Jähirge hatte sich an die Fersen von betagten und gebrechlichen Damen geheftet und diese mit Gewalt ausgeraubt.
Dieser Angeklagte dürfte bei seinen Taten kein Schamgefühl empfunden hatten. Der 39-Jährige soll sich nämlich gezielt alte und gebrechliche Frauen ausgesucht haben. Insgesamt elf Damen zwischen 72 und 93 soll der mutmaßliche Serien-Räuber an Gräbern am Friedhof überfallen, deren Handtaschen und den Schmuck vom Hals entrissen haben.
Am Wiener Landesgericht ist der Serien-Räuber am Dienstag wegen schweren Raubes, schwerer Körperverletzung und mehrerer Einbruchsdiebstähle rechtskräftig zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden
89-Jährige schildert Überfall
Eines seiner Opfer war bereits 89 Jahre alt. Die Greisin hatte am Südwestfriedhof das Grab ihres verstorbenen Mannes besucht, als laut Anklage der 39-jährige Beschuldigte auf sie aufmerksam wurde.
"Er hat mi was g'fragt. Weil i derrisch bin, hob i eahm net verstanden", schilderte die 89-Jährige als Zeugin einem Schöffensenat. Plötzlich habe der Mann an ihrer Handtasche gezogen, worauf sie zwei Mal mit ihrem Gehstock auf ihn eingeschlagen habe. Dann sei sie jedoch zu Boden gestürzt.
Die Hochbetagte erlitt eine Schädelprellung, ein Hämatom und einen Bruch des linken Ringfingers. Neben ihrer Handtasche kam ihr auch ein Medaillon abhanden, das sie an einer Kette am Hals getragen hatte. Es handelte sich dabei um ein Präsent ihres verstorbenen Mannes, das er ihr 1980 geschenkt hatte, wie sie dem Gericht darlegte.
Opfer traut sich nicht mehr zum Grab des Mannes
Seit dem Raub könne sie nicht mehr die letzte Ruhestätte ihres Mannes aufsuchen: "I trau mi nimmer." Die 89-Jährige machte als Privatbeteiligte knapp 10.000 Euro an Schadenersatz und Schmerzengeld geltend.
Der Angeklagte war zu den meisten Anklagefakten geständig, bestritt allerdings den Raub am Südwestfriedhof. "So etwas habe ich keinesfalls gemacht. Vielleicht haben das Araber gemacht. Ich sehe ein bisschen aus wie ein Araber", sagte der Bulgare.
Opfer im Alter zwischen 72 und 93
Die Raubfakten hatten sich im Zeitraum April bis August 2024 ereignet. Der 39-Jährige folgte laut Anklage seinen Opfern in Stiegenhäuser, in den Aufzug oder fragte sie auf offener Straße nach dem Weg, um dann gewalttätig zu werden. Das jüngste Opfer war 72, das älteste 93 Jahre alt. Eine Frau war auf einen Rollator angewiesen, was den Angeklagten nicht davon abhielt, ihr ihre goldene Halskette zu entreißen. Neben der 89-Jährigen wurde eine zweite Betroffene, welcher der Mann zwei Ketten im Wert von insgesamt 4.600 Euro entrissen hatte, schwer verletzt. Sie erlitt einen Bruch des zwölften Brustwirbelkörpers.
"Alle Überfälle waren am helllichten Tag und an Orten, wo sich die Opfer sicher gefühlt haben", betonte die Staatsanwältin. Sie hob hervor, dass der Bulgare in Österreich bereits zwei Mal vorbestraft sei. Wegen schweren Raubes hatte er fünfeinhalb Jahre ausgefasst, wurde jedoch nach Verbüßung der Hälfte der Strafe bedingt entlassen. Darauf folgte eine weitere Verurteilung wegen Einbruchsdiebstahls.
Angeklagter machte "sehr große Krise" geltend
"Ich hatte eine sehr große Krise. Ich habe das alles nur gemacht, um Heroin zu kaufen. Ich habe das nicht gekauft, um ein Haus oder ein Auto zu kaufen", gab der Angeklagte zu Protokoll. Er habe "einen großen Fehler gemacht", sagte er, ehe er unversehens zu schluchzen begann: "Dass das ältere Frauen waren, macht mich fertig."
"Was passiert ist, ist schrecklich. Erschreckend. Abstoßend. Hintergrund ist seine Drogensucht", meinte der Rechtsbeistand des 39-Jährigen. Der Angeklagte werde "für lange Zeit sitzen. Das weiß er".
Der 39-Jährige war mit der über ihn verhängten Strafe einverstanden. Zu den zwölf Jahren muss er weitere zwei Jahre und neun Monate absitzen - der offene, ihm ursprünglich zur Bewährung ausgesetzte Zeitraum aus den beiden Vorverurteilungen, der ihm nun aufgrund des raschen Rückfalls widerrufen wurde. Auch der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel.