Unzufriedenheit groß
Lehrer drohen Schmied "heißen Herbst" an
03.09.2009
Die Lehrergewerkschaft lehnt das neue Dienstrecht ab und spricht von "skandalöser Ausbeutung".
Einen "heißen Schulherbst" versprechen die Vertreter der Bundeslehrer, Eva Scholik (AHS) und Jürgen Rainer (BMHS), ihrer Unterrichtsministerin Claudia Schmied. Massive Kritik übte Scholik an den Plänen für die Reform des Dienstrechts: Die Lehrverpflichtung stehe wieder im Vordergrund, Schmied habe "aus dem von ihr verursachten Chaos des vergangenen Schuljahres offenbar nichts gelernt".
Gegen neues Dienstrecht
Eine höhere Unterrichtsverpflichtung für
Junglehrer bei gleichbleibender Lebensverdienstsumme schloss Scholik aus. "Da
nimmt man den Leuten Geld weg, das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit."
Außerdem hätten die Lehrer im Frühjahr als erste Berufsgruppe "einen
so genannten Solidarbeitrag geleistet und auf Teile unseres Einkommens
verzichtet".
"Ganztägig ist unmöglich"
Dass Lehrer
künftig ganztägig an der Schule anwesend sein sollen, ist für die
AHS-Gewerkschafterin "ein populistisches Anliegen und bei der
momentanen Raum- und Arbeitssituation an den Schulen unmöglich".
Den späten Termin für die Gespräche mit der Gewerkschaft zum Dienstrecht
kommentierte Scholik mit Häme, Schmied "hofft offenbar auf
geänderte Mehrheitsverhältnisse in der Lehrervertretung".
Ende November finden Personalvertretungswahlen für Bundesbedienstete statt,
sowohl Scholik als auch Rainer gehören der Fraktion Christlicher
Gewerkschaft (FCG) an.
"Nichts wird durchgezogen"
Rainer warf Schmied vor,
eine "reine Ankündigungspolitik" zu betreiben: "Es wird
Baustelle für Baustelle eröffnet und nichts wird durchgezogen."
Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahlen auf 25 sei etwa auch im dritten
Jahr nur an der Hälfte der Unterstufenklassen umgesetzt worden und in der
Oberstufe gar nicht, monierte Scholik.
Klassen noch immer zu groß
An den BMHS werde nicht einmal
die Übergangsregelung zur Senkung der Klassenschülerhöchstzahl "durchgezogen",
so Rainer. So gebe es etwa die Teilung von BMHS-Klassen mit mehr als dreißig
Schülern in bestimmten Fächern nur in der neunten Schulstufe, in der zehnten
Schulstufe werde diese "sehr erfolgreiche" Individualisierung, die
zu einer Senkung der Drop-Outs geführt habe, nicht fortgeführt. Außerdem sei
es weder zu der versprochenen Entlastung der Lehrer von Bürokratie gekommen,
noch seien die 35 versprochenen Schulpsychologen - laut Rainer ohnehin "nicht
einmal ein Tropfen auf den heißen Stein" - gekommen.
"Skandalöse Ausbeutung"
Angriffig zeigte sich
Rainer auch gegenüber SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann und
ÖVP-Finanzminister Josef Pröll. Diese haben eine mit dem
Unterrichtsministerium vereinbarte bessere Bezahlung von Lehrern, die sich
um die IT-Infrastruktur der Schule kümmern, abgelehnt. Die Gewerkschaft hat
die IT-Kustoden aufgefordert, nur noch jene Arbeit zu leisten, die bezahlt
wird. Rainer sprach von "skandalöser Ausbeutung", "wir
sehen das als Kampfansage der Bundesregierung und werden das durchziehen",
so der BMHS-Gewerkschafter.
Schmied hört Wahlkampftöne
Im Unterrichtsministerium
reagiert man "emotionslos" auf die Vorwürfe der Gewerkschaft und
führt sie "bis zu einem gewissen Grad" auf den Wahlkampf für
die Personalvertretungswahlen Ende November zurück. Unter diesen Umständen
sei die Entscheidung richtig, die "seriösen und ernsthaften
Verhandlungen" zum neuen Lehrerdienstrecht erst nach der Wahl zu
beginnen, so Schmieds Sprecher. Im Ministerium würde man sich wünschen, dass
die Gewerkschaft "nicht jede Veränderung negativ wertet".
Faymann fordert ÖVP-Unterstützung
Bundeskanzler Faymann
fordert vom Koalitionspartner mehr Rückendeckung für Schmied bei der
Bildungsreform. Ein neues Lehrerdienstrecht sei nicht nur Aufgabe einer
einzelnen Ministerin "und alle anderen schauen zu", so Faymann. "Da ist ein
Finanzminister und ein Bundeskanzler gleich verantwortlich und hat mit
gleichem Einsatz tätig zu sein", so der Kanzler. Im SPÖ-Präsidium
bestehe über die Stoßrichtung der Bildungsreform "breite
Übereinstimmung", auch mit den Ländervertretern.