Dornauer-Nachfolge

Philip Wohlgemuth wird neuer SPÖ-Landeschef

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Der 37-jährige ÖGB-Chef folgt Dornauer nach 

Mit 37 Jahren hat Philip Wohlgemuth bald den nächsten Karrieregipfel erreicht: Als designierter Nachfolger von Georg Dornauer übernimmt der Tiroler ÖGB-Chef die Sessel des SPÖ-Landesparteivorsitzenden und des ersten Landeshauptmannstellvertreters in der schwarz-roten Landesregierung. Dabei gilt der Gewerkschafter nicht als jemand, der in die erste Reihe drängt und große Worte schwingt. Nun muss der Innsbrucker beweisen, was er den bewegten Dornauer-Jahren folgen lassen kann.

Wohlgemuths Laufbahn begann mit einer klassischen wie langen Innsbrucker Schülerkarriere: Erst besuchte er die Pradler Volksschule, dann die Technische Hauptschule Gabelsbergerstraße, schließlich die Polytechnische Schule Innsbruck - und anschließend noch die Hotelfachschule Villa Blanka. Kurzzeitig war Wohlgemuth vor dem Sprung in die Politik als Rezeptionist tätig. Die politische Karriere des Unscheinbaren zeichnete sich dennoch früh ab - und zwar über die Gewerkschaften.

Karriere in der Gewerkschaft

Über mehrere Stationen beginnend als Landesjugendvorsitzender der damaligen Gewerkschaft für Hotel bzw. Gastgewerbe HPGD schaffte es Wohlgemuth 2017 zum Tiroler ÖGB-Vorsitzenden. In dieser Funktion wurde er vor zwei Jahren bestätigt und gilt als allgemein anerkannt. Auch in der Innsbrucker SPÖ-Stadtpartei war und ist Wohlgemuth aktiv, aktuell als Bezirksparteiobmann-Stellvertreter. Im Jahr 2018 wurde Wohlgemuth schließlich in den Landtag gewählt und dort als Abgeordneter angelobt. Nur sechs Jahre später geht es für ihn - nachdem er zuletzt auch stellvertretender Klubobmann und stellvertretender Landesparteiobmann gewesen war - eine gewaltige Stufe höher - an die Spitze der Partei.

Damit dürfte auch der schwarze Koalitionspartner einverstanden sein und keine Einwände gegen einen personellen Wechsel in der Regierung erheben. Bereits als Dornauer rund um die Jagdcausa zu Wanken begann, wurde der als zurückhaltend und distanziert geltende Wohlgemuth medial als roter Wunschkandidat der ÖVP bezeichnet. Auch deshalb, weil er mit am Tisch saß, als die Tiroler Volkspartei vor zwei Jahren mit der Sozialdemokratie den Regierungspakt schmiedete und - wie Dornauer - als Realpolitiker gilt. Auch zuvor wurde dem ÖGB-Landesvorsitzenden bereits eine gute Gesprächsbasis zu Altlandeshauptmann Günther Platter (ÖVP) nachgesagt.

Nun muss der als Sachpolitiker beschriebene Gewerkschafter den Regierungspakt umsetzen. Nach den skandalumwobenen Jahren unter dem Parteivorsitz des schillernden Dornauers, der von derben Sagern bis hin zu einer im Porsche vergessenen geladenen Waffe kein Fettnäpfchen ausließ, vollzieht die SPÖ damit eine personelle Kehrtwende. Der innerparteiliche Rückhalt für den neuen Landesparteichef und Sohn des früheren langjährigen SPÖ-Klubobmannes im Landtag, Ernst Pechlaner, dürfte aufgrund dessen bisheriger Parteikarriere jedenfalls vorerst bombenfest sein.

Aber da bliebe auch noch der "Unsicherheitsfaktor" Georg Dornauer, will der baldige Altlandesparteichef doch als Landtagsabgeordneter fungieren. Das könnte dann doch für roten Zündstoff sorgen.

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