Das Ende unseres Handball-Märchens? Teamchef Sigurdsson hört auf.
Die erfolgreiche Ära von Dagur Sigurdsson als Teamchef der österreichischen Herren-Nationalmannschaft ist zu Ende. Der heimische Verband ÖHB gab am Mittwoch in Wien bekannt, dass es zu keiner weiteren Vertragsverlängerung mit dem 37-jährigen Isländer gekommen ist. Der Nachfolger, der Österreich bei der WM im Jänner 2011 in Schweden coachen wird, soll laut Präsident Gerhard Hofbauer "so rasch wie möglich" präsentiert werden, fünf Kandidaten stehen derzeit in der engeren Auswahl.
Verein gegen Doppelfunktion
Zur Trennung kam es vor allem
aufgrund des Vetos von Sigurdssons deutschem Arbeitgeber Füchse Berlin.
Außerdem trudelten bei Sigurdsson einige weitere reizvolle Angebote aus der
deutschen Bundesliga ein. Sigurdsson, der sich derzeit in seiner Heimat
befindet, meinte zum Abgang: "Es ist natürlich schade. Aber ich bin mir
sicher, dass diese Mannschaft weitere große Erfolge erreichen kann. Ich
wünsche dem ÖHB alles Gute."
Erfolgstrainer
Der langjährige Bregenz-Spieler und
-Spieler-Trainer (2003 bis 2007) Sigurdsson hatte das ÖHB-Team im Frühjahr
2008 übernommen und danach ein Team für die Heim-EM 2010 geformt. Mit
Erfolg, denn Österreich überstand die Gruppenphase dank eines Remis' gegen
Island und eines Sieges gegen Serbien, in der Hauptrunde kam ein Erfolg über
Russland hinzu. Am Ende schaute Rang neun heraus.
Vor wenigen Wochen qualifizierten sich die Österreicher unter Sigurdsson erstmals seit 1993 für eine WM, Sigurdsson ist der mit Abstand erfolgreichste Herren-Teamchef der Geschichte. "Diese Erfolge waren kein Zufall, das war die Handschrift von Dagur", meinte Hofbauer, der Sigurdsson bis zu sechs Jahre lang an den ÖHB binden wollte.
"Dragur-Klon" gesucht
Über Namen wollten Hofbauer und
Generalsekretär Martin Hausleitner nicht sprechen, sehr wohl aber übers
Anforderungsprofil. "Fachliche Kompetenz, internationale Erfahrung, der
deutschen Sprache mächtig und eine charismatische Führungspersönlichkeit -
wir suchen also quasi einen geklonten Dagur", erklärte Hausleitner. Laut
Hofbauer wird "mit international bekannten Trainern gesprochen, denn der
österreichische Handball hat dank der jüngsten Erfolge Beachtung gefunden".
Die Entscheidung wird vom ÖHB-Präsidium getroffen.
Großer Name soll kommen
Als unrealistisches und auch nicht
auf der ÖHB-Liste stehendes Beispiel nannte Hofbauer den Schweden Magnus
Wislander, seines Zeichens immerhin "Handballer des Jahrhunderts". Die Angel
wird also scheinbar nach einem großen Namen ausgeworfen. Eine
österreichische Lösung scheint ausgeschlossen. "Ich sehe derzeit in
Österreich keine derartige Persönlichkeit", so Hofbauer, der auch
Bregenz-Coach Martin Liptak (Vertrag mit dem tschechischen Team) als
Sigurdsson-Nachfolger ausschloss.
Parallel zur Teamchef-Suche laufen auch weiter die Planungen für eine österreichische Bewerbung zur Austragung der Herren-WM 2015 oder 2017. Ermutigung dazu erhielten Hausleitner und Co. im Rahmen der WM-Auslosung am 9. Juli in Göteborg von höchster Stelle, nämlich von Hassan Moustafa, dem Präsidenten des Weltverbands IHF. "Wir werden über den Sommer weiter arbeiten und dann entscheiden", meinte Hausleitner. Die Bewerbung müsste im Oktober offiziell abgegeben werden.