Camille Rast und Wendy Holdener haben am Samstag für den ersten Schweizer Doppelsieg in einem WM-Slalom gesorgt und die elfte und zwölfte Medaille für Swiss-Ski in Saalbach eingesackt.
Die WM 2025 ist damit für den Schweizer Verband bereits jetzt die zweiterfolgreichste der Geschichte. 1987 holten die Eidgenossen gleich 14 Mal Edelmetal. Das wäre am Sonntag noch einholbar. Für Rast, im Weltcup eine der Senkrechtstarterinnen dieser Saison, war es die erste Medaille bei einem Großereignis. "Es ist ein megacooler Erfolg mit Wendy", sagte die Walliserin.
"Es muss alles passen für eine Medaille. Es hat geklappt und ich bin megazufrieden. Ich glaube, von Anfang an heute Morgen war ich für diesen Tag bereit, ich habe den ganzen Tag genossen und hatte ein cooles Team rund um mich. Der coole Teamspirit ist bei uns sehr, sehr wichtig im Rennen, und da kann man sich nach vorne pushen", erzählte die 25-Jährige, die in diesem Winter zunächst ihren ersten Podestplatz und danach ihre ersten beiden Siege im Weltcup gefeiert hatte.
Leidensgeschichte in jungen Jahren
Ihr Debüt auf der Weltcup-Bühne hatte Rast schon 2016 als 17-Jährige gegeben, bei den Juniorinnen gewann sie 2017 WM-Gold im Slalom. Doch ihre Karriere geriet anschließend öfter in Turbulenzen, die phasenweise so heftig waren, dass Rast nahe am Rücktritt war. Noch als Teenager warf sie das Pfeiffersche Drüsenfieber zurück und brachte sie an den Rand einer Depression. Ihre Eltern bat sie an einem Punkt sogar, ihre ganze Ski-Ausrüstung zu verkaufen. Ein Kreuzbandriss im rechten Knie vor knapp sechs Jahren bedeutete den nächsten Einschnitt in der Laufbahn der Technik-Expertin, die früher wegen ihrer Zöpfe "Pippi Langstrumpf" gerufen wurde.
Nach dem Comeback zu Beginn der Saison 2020/21 startete jedoch ein stetiger Aufstieg, dessen vorläufiger Höhepunkt nun golden glänzt. "Ich habe eine tolle Saison im Slalom, aber ich habe mir keinen Druck gemacht, dass ich eine Medaille holen muss. Mit dieser Einstellung hat es gepasst, diese Medaille zu holen", sagte die erste Schweizer Slalom-Weltmeisterin seit Vreni Schneider, die 1991 ebenfalls in Saalbach-Hinterglemm triumphiert hatte.
"Ich habe meinen Plan gemacht und habe Spaß gehabt. Es ist ein Ein-Tages-Rennen. Wenn es passt, ist es super, wenn nicht, dann nicht." Mit dieser Einstellung war Rast, die als Teenager drei Jahre lang auch eine Zirkusschule besuchte, in das Rennen gegangen. Zuvor hatte es in der Teamkombi und im Riesentorlauf nicht wie gewünscht funktioniert. Mit Corinne Suter erreichte sie im neuen WM-Bewerb den siebenten Platz, im Riesenslalom kam sie nicht über Rang elf hinaus.
Holdener "Rekordhalterin der zweiten Plätze"
Für Holdener war es dagegen bereits die insgesamt neunte WM-Medaille, die sechste in Silber. Allein in Saalbach machte die Schwyzerin drei Silberne, landete auch im Parallel-Teambewerb sowie mit Lara Gut-Behrami in der Kombi auf Platz zwei. "Ich glaube, ich bin die Rekordhalterin der zweiten Plätze. Aber heute war es das, was ich gezeigt habe, und es ist in Ordnung. Ich bin sehr zufrieden, dass ich in Saalbach so erfolgreich sein konnte", sagte Holdener.
Viermal Gold und insgesamt zwölf Medaillen - Saalbach 2025 ist damit schon vor dem Männer-Slalom am Sonntag die zweiterfolgreichste WM der Schweizer in der Geschichte. In Crans-Montana gewannen die Athletinnen und Athleten aus Österreichs Nachbarland 1987 achtmal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze, alles in allem 14 Medaillen. 1989 waren es in Vail elf Medaillen, darunter drei Goldene.