Missbrauchsskandal
Papst bittet Opfer um Vergebung
11.06.2010
Benedikt XVI. findet deutliche Worte und fordert eine "Reinigung der Kirche".
Papst Benedikt XVI. hat erstmals eindeutig um Vergebung für die "Misshandlung der Kleinen" durch pädophile Geistliche gebeten. Die katholische Kirche werde "alles nur Mögliche" unternehmen, um solche Missstände abzuschaffen, sagte der Papst am Freitag auf dem Petersplatz. Es war die bisher deutlichste Entschuldigung des Kirchenoberhaupts für die zahlreichen Fälle der Misshandlung Minderjähriger durch katholische Geistliche.
Die Entschuldigung des Papstes im Wortlaut !
Reinigung der Kirche
"Wir bitten nachdrücklich um Vergebung
durch Gott und die betroffenen Menschen", sagte der 83-jährige Papst. Das
katholische Kirchenoberhaupt äußerte sich bei der Messe im Vatikan vor
15.000 weiß gekleideten Priestern unter sonnigem Himmel. Anlass war das zu
Ende gehende Jahr des Priesters, das vom Papst im Frühjahr 2009 ausgerufen
worden war. Die katholische Kirche ist in verschiedenen Ländern durch die
Aufdeckung von tausenden Missbrauchsfällen
stark erschüttert worden.
Der Papst erklärte, die Priesterschaft habe die Aufgabe, "Gottes Sorge für unser Wohl mitzuteilen". Wenn Geistliche dann aber Minderjährige sexuell missbrauchten, werde diese Aufgabe "in ihr Gegenteil verkehrt". Der Papst kündigte an, die Kirche werde sich künftig verstärkt für eine angemessene Ausbildung der Geistlichen engagieren und sie "auf ihrer Reise begleiten". Die Missbrauchsskandale erforderten "die Pflicht zur Reinigung".
Missbrauchsskandal
Schon mehrfach hatte sich das katholische
Kirchenoberhaupt in den vergangenen Wochen von den Missbrauchspraktiken
Geistlicher distanziert, unter anderem in einem Brief an die katholischen
Geistlichen in Irland. Die Zölibat-Regelung, nach der katholische Priester
sexuelle Enthaltsamkeit üben sollen und nicht heiraten dürfen, wird aber vom
Papst weiter hochgehalten. Dieser Zölibat sei eine Regelung, die aus "dem
Glauben und der Treue" erwachse, lautet die Botschaft des Papstes, die er
unter anderem noch am Donnerstag kundtat.
Der Papst sieht sich als ehemaliger Erzbischof von München und Freising auch persönlich mit dem Vorwurf konfrontiert, Geistliche nach Missbrauchsfällen weiter protegiert zu haben. Missbrauch durch Geistliche wurde unter anderem in Deutschland, Belgien, Österreich, den USA und Brasilien dokumentiert und wird zum Teil strafrechtlich verfolgt. Die Kirche hatte lange Zeit die Linie verfolgt, sie müsse die Missbrauchsfälle rein kirchenintern ahnden.