Chaos
300 Österreicher in Bangkok dürfen heimfliegen
26.11.2008
Ein Teil der durch Unruhen in Bangkok festsitzenden Österreicher wird am Samstag mit einer AUA-Maschine nach Wien gebracht.
243 Passagiere hätten bisher ein Ticket, so ein Sprecher der Airline. Die Maschine soll wie geplant um 6.00 Uhr in Wien-Schwechat landen. Insgesamt gebe es 300 Sitzplätze - man gehe davon aus, dass der Flug ausgebucht sein wird.
"Keine Gefährdung" von Reisenden
Die AUA weicht
den gesperrten Flughäfen in Bangkok aus und fliegt über den 150 Kilometer
entfernten Airport Utaphao, dorthin werden die Passagiere mit Bussen
transportiert. Laut Außenamts-Sprecher Peter Launsky-Tieffenthal besteht
"keine Gefährdung". Viele Reisende hätten sich bei der Botschaft gemeldet,
man versuche die Betroffenen so gut wie möglich zu beraten. "Reisende, die
auf anderen Fluglinien gebucht sind, sitzen zum Teil fest, haben
Unannehmlichkeiten, sind aber nicht in Gefahr", betonte er.
"Österreicher in Sicherheit"
Auch der
österreichische Botschafter in Bangkok, Arno Riedel, sieht in Bangkok
aktuell keien Österreicher gefährdet. "Die Österreicher (in
Bangkok) sind in Sicherheit", sagte Riedel im Ö1-Morgenjournal. Die
Situation in Bangkok sei "weitgehend normal". Die politischen
Spannungen würden sich auf wenige Punkte in Bangkok beschränken. Die
regierungsfeindliche Demonstranten hatten in der thailändischen Hauptstadt
Bangkok nach dem internationalen Flughafen, in der Nacht auf Donnerstag auch
den nationalen, für Inlands-Flüge genutzten, Flughafen besetzt.
Es sei gelungen, die meisten in Bangkok festsitzenden Österreicher, über die Fluglinien mit Quartieren zu versorgen. Auch die Österreicher außerhalb Bangkoks sind in Sicherheit. Die touristischen Gebiete außerhalb Bangkoks seien von den Demonstrationen nicht betroffen. Dennoch sollten Österreicher in Thailand nach wie vor politische Manifestationen meiden.
Minister können nicht raus
Mit der Besetzung des
Inlandsflughafens wollen die Demonstranten der PAD verhindern, dass die
thailändischen Minister zu einem Treffen mit Premier Somchai Wongsawat nach
Chiang Mai im Norden des Landes fliegen. Somchai war am Mittwoch dort
gelandet. Die Armee verlangt von Somchai Neuwahlen, der Regierungschef lehnt
aber ab.
Ausnahmezustand an den Flughäfen
Die Regierung hat
unterdessen beschlossen, an den besetzten Flughäfen in Bangkok den
Ausnahmezustand verhängen. Das sagte ein Minister nach Medienberichten am
Donnerstag nach der Krisensitzung des Kabinetts in Chiang Mai, rund 600
Kilometer nördlich von Bangkok. Die Demonstranten ließen postwenden
ausrichten, dass sie nicht daran dächten, ihre Blockaden aufgeben.
Regierung ruft Armee zur Zurückhaltung auf
Die Regierung
hat die Armee des Landes zur Zurückhaltung aufgefordert. Ein
Regierungssprecher sagte am Donnerstag im staatlichen Rundfunk, die Armee
müsse in den Kasernen bleiben. Tausende Touristen werden von der Regierung
unterdessen auf Militärstützpunkten untergebracht.
Armeechef Anupong Paojinda hatte am Mittwoch von Ministerpräsident Somchai Wongsawat verlangt, er müsse das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen. Obwohl der Armeechef sagte, es handle sich bei seinen Äußerungen nicht um einen Umsturz, kursierten in Bangkok Putschgerüchte. Wongsawat will aber nicht neu wählen lassen.
Foto: (c)
Niesner
Flughafen gestürmt
Was war passiert? Dienstagnacht
besetzten 8.000 Regierungsgegner die Zufahrtswege zum Flughafen, stürmten
das Gebäude und protestierten für Neuwahlen. Die Unzufriedenheit des Volkes
mit Regierungschef Somchai Wongsawat ist in den letzten Monaten dramatisch
gestiegen. Jetzt versuchen ihn die Regierungsgegner dort zu treffen, wo es
wehtut: Mit der Flughafenblockade schaden sie dem Tourismus des Landes,
einer der wichtigsten Einnahmequelle.
Flucht in letzter Minute
Eine Maschine konnte im letzten
Augenblick noch abheben: Es war der Austrian-Airlines-Flug, der am Mittwoch
in der Früh in Wien-Schwechat gelandet ist. „Wir sind gerade noch durch die
Pass- und Ticketkontrolle gekommen, da haben wir hinter uns schon die
Demonstranten brüllen gehört“, sagt der Wiener Robert Steinoch (54), der
mit der Maschine aus dem Chaos in Thailand flüchten konnte.
Granaten explodiert
Damit entging er den furchtbaren Szenen,
die sich Minuten nach seinem Abflug ereigneten: Regierungstreue Truppen
warfen eine Granate in die Menge. Blutüberströmt sanken Verletzte zu Boden.
Mitten drin: gut 3.000 Urlauber aus aller Welt.
Die Behörden und Reiseveranstalter reagierten sofort: „Wir haben unsere Gäste aus dem Flughafen rausgebracht und auf verschiedene Hotels in Bangkok aufgeteilt“, sagt Christian Bruckmüller, Geschäftsführer des Reiseveranstalters Jumbo Touristik.
Ein Augenzeuge berichtet: ÖSTERREICH: Was haben Sie von den Protesten mitbekommen? Robert Steinoch: Uns ist zuerst gar nichts aufgefallen. Im Hotel vor der Abfahrt zum Flughafen hat man uns gesagt, wir müssen früher fahren, weil es Checkpoints am Weg zum Flughafen gibt. Auf dem Flughafen ist uns aufgefallen, dass mehr Polizisten als normal präsent waren. Durch die Fenster konnten wir sehen, wie Demonstranten auf der Autobahn mit Transparenten die Zufahrten blockierten. ÖSTERREICH: Und am Flughafen selbst? Steinoch: Wir haben ganz normal eingecheckt. Dann sind wir durch die Pass- und Zollkontrolle gegangen. Plötzlich haben wir hinter uns gehört, wie die Demonstranten gebrüllt haben. Es hat sich angehört, als hätte eine Fußballmannschaft ein Tor geschossen und das ganze Stadion steht auf und schreit. Erst im Transitbereich haben wir auf den Fernsehern gesehen, was sich da draußen abspielt. Da habe ich das erste Mal die blutenden Verletzten gesehen. Wir sind dann mit zweistündiger Verspätung losgeflogen. Der Grund dafür war, dass die Crew erst verspätet eingetroffen ist, weil die nicht mehr so leicht bis zum Flughafen durch kamen.
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