UN-Tribunal
Chefanklägerin Carla del Ponte tritt zurück
07.12.2007
Del Ponte spricht über die Höhen und Tiefen ihrer Amtszeit und von ihrer Enttäuschung, dass Mladic und Karadzic weiter flüchtig sind.
Die scheidende Anklägerin des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien, Carla del Ponte, betrachtet die Festnahme des einstigen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und seine Überstellung an das Haager Gericht im Juni 2001 als ihren größten Erfolg. Sein Tod im März 2006 nur zwei Monate vor dem Abschluss des Prozesses sei gleichzeitig ihre große Enttäuschung gewesen, sagte Del Ponte der serbischen Presseagentur Beta.
Del Ponte enttäuscht: Mladic und Karadzic flüchtig
Sie
sei über die Tatsache, dass der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben,
Ratko Mladic, und der frühere Präsident der Republika Srpska, Radovan
Karadzic, die "nach Milosevic für die Kriegsverbrechen und den Völkermord in
Bosnien-Herzegowina am verantwortlichsten waren, weiterhin flüchtig sind,
äußerst enttäuscht". "Meine Enttäuschung ist eine objektive, da ich mir
nicht vorwerfen kann, Fehler begangen zu haben. Ich habe alles, was ich
konnte, getan", stellte die Chefanklägerin fest.
92 Angeklagte und 63 Verurteilungen
Prinzipiell könne sie die
Ergebnisse ihrer Amtszeit aber positiv bewerten. An das UNO-Tribunal wurden
während ihrer achtjährigen Amtszeit 92 Angeklagte überstellt, 63 Angeklagte
wurden verurteilt. Das Tribunal hat das von bosnisch-serbischen Truppen
angerichtete Massaker in Srebrenica als Völkermord definiert,
Vergewaltigungen wurden zum ersten Mal als Verbrechen gegen die
Menschlichkeit eingestuft.
Daumenschrauben für Serbien: Mladic muss ausgeliefert werden
Zum
Ende ihres Mandats hin hat Del Ponte den Belgrader Behörden bei ihrem Besuch
zu Wochenbeginn noch einmal die Daumenschrauben angelegt. "Am 10. Dezember
muss Mladic in Den Haag sein, oder der Bericht (an den Weltsicherheitsrat)
wird wegen der ausgebliebenen vollen Zusammenarbeit negativ sein", so ihr
Ultimatum. Sie widersetze sich einer Unterzeichnung des Stabilisierungs- und
Assoziierungsabkommens (SAA) mit Serbien, solange Mladic nicht festgenommen
sei. Das SAA ist die Voraussetzung für einen EU-Beitritt des Landes.
Weitere Karriere als Schweizer Botschafterin
Das Mandat von Del
Ponte läuft am Jahresende ab. Sie wird daraufhin als Schweizer Botschafterin
nach Argentinien gehen. Zu ihrem Nachfolger im Amt des UN-Chefanklägers ist
der belgische Staatsanwalt Serge Brammertz bestellt worden.