Die NATO sagte mehr als 5.000 zusätzliche Soldaten zu.
Die Taliban haben den USA mit blutigen Angriffen gedroht, wenn weitere 30.000 Soldaten nach Afghanistan geschickt werden. "Diese Strategie wird sich nicht auszahlen", hieß es in einer am Donnerstag in Kabul verbreiteten Erklärung der islamischen Aufständischen. Sie werde den Taliban-Kämpfern lediglich die Chance bieten, "ihre Angriffe zu verstärken und die amerikanische Wirtschaft zu erschüttern".
Einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage zufolge glauben auch 54 Prozent der US-Bürger nicht an eine dauerhafte Eindämmung der Taliban in Afghanistan. 32 Prozent der vom Forschungsinstitut "Pew" befragten 2.000 US-Bürger sprachen sich gegen die von US-Präsident Barack Obama am Dienstagabend verkündete Truppenaufstockung von 70.000 auf 100.000 Soldaten aus. 40 Prozent forderten einen raschen Truppenabbau.
NATO stellt 5.000 Soldaten bereit
Rund 20 verbündete Regierungen
haben bereits mehr als 5.000 zusätzliche Soldaten versprochen. Dies sagte
NATO-Sprecher James Appathurai am Donnerstag am Rande eines Treffens der
NATO-Außenminister in Brüssel.
"Auf der Grundlage dessen, was wir in den vergangenen 24 Stunden gehört haben, können wir sicher sagen, dass wir diese Zahl übertreffen werden", sagte er. "Wir sind jenseits der Zahl 5.000." Bündnis-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hatte am Mittwoch gesagt, die US-Verbündeten sollten mit mindestens 5.000 zusätzlichen Soldaten auf Obamas Ankündigung reagieren, die Zahl der US-Truppen um 30.000 zu verstärken. Medienberichten zufolge hat Washington die Verbündeten aufgerufen, 7.000 zusätzliche Soldaten für den Afghanistan-Einsatz bereitzustellen.
Bayrische Polizisten nach Afghanistan
Berlin und Paris, von denen
Obama angeblich 2.000 bzw. 1.500 zusätzliche Soldaten erwartet, wollen mit
ihrer Entscheidung bis zur Afghanistan-Konferenz Ende Jänner warten. In
Deutschland wird derzeit auch ein verstärktes Engagement bei der
Polizeiausbildung diskutiert. Der Münchner Innenminister Joachim Herrmann
sagte am Donnerstag, er sei bereit, mehr bayerische Polizisten an den
Hindukusch zu schicken. Der französische Verteidigungsminister Herve Morin
sagte am Donnerstag, seine Regierung wolle den Einsatz in Afghanistan nur
zur Ausbildung der afghanischen Streitkräfte und zum Aufbau der
Institutionen weiter verstärken.
Zurückhaltend reagierte auch die Türkei. Man habe weiter Vorbehalte gegen eine Entsendung von Kampftruppen nach Afghanistan, sagte Verteidigungsminister Vecdi Gönül nach Medienberichten vom Donnerstag. Das erst kürzlich auf 1.750 Soldaten aufgestockte türkische Kontingent widmet sich vor allem der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte und dem Wiederaufbau der Infrastruktur.
Italien stockt um 1.000 auf
Positiv reagierten Großbritannien und
Polen, die eine Truppenaufstockung in Aussicht stellten. Auch Italien will
die neue Strategie mit rund 1.000 weiteren Soldaten unterstützen.
Verteidigungsminister Ignazio La Russa sagte der Mailänder Zeitung "Corriere
della Sera", die genaue Zahl werde in Kürze festgelegt. Ein Mitarbeiter des
Ministers sagte, im Gespräch sei eine Aufstockung um 800 bis 1.000 Mann im
Laufe des kommenden Jahres. Medienberichten zufolge wünscht sich Washington
auch von Italien zusätzliche 1.500 Soldaten. Derzeit hat Rom 3.000 Soldaten
am Hindukusch im Einsatz. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen stellte
insgesamt mindestens 5.000 zusätzliche Soldaten der europäischen
NATO-Verbündeten in Aussicht.
Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, äußerte in einem Interview mit dem Düsseldorfer "Handelsblatt" Verständnis für die zurückhaltenden Reaktionen der europäischen Verbündeten. Die Alliierten sollten sich aber bewusst sein, was auf dem Spiel stehe. "Wenn das westliche Bündnis hier keinen Erfolg hat, werden wir einen sehr ernsten Anstieg der Gewalt erleben. Afghanistan ist der ultimative Test für die NATO und das gesamte westliche Bündnis."
Votum erwartet
Der Kommandant der NATO in Afghanistan, General
Stanley McChrystal, sagte vor US-Truppen in Kandahar, die Taliban müssten in
den nächsten eineinhalb Jahren von der Aussichtslosigkeit ihres Kampfes
überzeugt werden. Es müsse ihnen eine Möglichkeit eröffnet werden, den
Aufstand "in Würde" zu beenden. "Dies wird noch eine Weile weitergehen, aber es wird aus meiner Sicht in den nächsten ein oder zwei Jahren entschieden
sein", sagte McChrystal. Bei der Vorstellung seiner neuen Strategie hat
US-Präsident Barack Obama als vorläufiges Ziel für einen Truppenabzug in
Afghanistan den Juli 2011 genannt.
Im Deutschen Bundestag wurde für den späten Donnerstagnachmittag ein Votum für die Verlängerung des derzeit mit 4.500 Soldaten gedeckelten Truppeneinsatzes um ein weiteres Jahr erwartet. Sorge bereiten den USA dagegen die Abzugspläne der Niederlande, die Medienberichten zufolge einen "Dominoeffekt" bei den Verbündeten auslösen könnten. Die Haager Regierung teilte am Donnerstag mit, dass US-Vizepräsident Joe Biden in einem Telefongespräch mit dem niederländischen Premier Jan Peter Balkenende auf eine Verlängerung des mit Dezember 2010 begrenzten Afghanistan-Einsatzes gedrängt habe. Die mitregierenden Sozialdemokraten halten an diesem Abzugstermin fest.