Die US-Rettungsaktion für Banken zeigt Wirkung: Die Finanzmärkte legen weltweit zu. Der ATX gewinnt 11,30 Prozent.
Die Wiener Börse hat am Freitag vor dem Hintergrund einer weltweiten Kursrally mit einem historischen Rekordplus geschlossen. Der Fließhandelsindex ATX schoss gegenüber dem Donnerstag-Schluss (2.881,47) um 331,51 Punkte oder 11,50 Prozent auf 3.212,98 Zähler in die Höhe und verzeichnete damit den stärksten prozentuellen Tagesgewinn seiner Geschichte. Auf Wochensicht musste das heimische Börsenbarometer jedoch trotz der Rekordgewinne ein Minus verbuchen.
Seit dem ersten Tag seiner Veröffentlichung an der Wiener Börse, dem 10. Mai 1991, hat der Wiener Leitindex noch nie mit einem zweistelligen Plus geschlossen. Die größten Prozent-Gewinne, die der Index am Ende eines Handelstages für sich verbuchen konnte, lagen bisher knapp unter acht Prozent.
1991: Staatskomitee für den Ausnahmezustand
Am 22. August
1991 ging der heimische Aktienmarkt mit einem Aufschlag von 7,91 Prozent aus
dem Handel. Das war der bisher größte Tagesgewinn des Börsenbarometers.
Hintergrund der Gewinne im Sommer 1991 waren positive Nachrichten aus der
Sowjetunion. Am Vortag war der Militärputsch unter Führung des
Vizepräsidenten Gennadi Janajew gescheitert. Das sogenannte "Staatskomitees
für den Ausnahmezustand" hatte zuvor die Macht ergriffen und den
Staatspräsident Michail Gorbatschow für amtsunfähig erklärt. Am ersten Tag
der innenpolitischen Krise in der Sowjetunion, dem 19. August 1991, hatte
der ATX mit minus 7,20 Prozent und den drittgrößten Abschlag seiner
Geschichte erlitten.
Reaktion auf Rettungsmaßnahmen
Am Freitag legten die Börsen
weltweit massiv zu und konnten sich damit von den jüngsten Kurseinbrüchen
etwas erholen. Die Kursaufschläge waren eine Reaktion auf die Ankündigung
neuer Rettungsmaßnahmen der US-Regierung für die angeschlagene
US-Finanzindustrie, begründeten Marktteilnehmer. Nach den Überlegungen von
US-Finanzminister Paulson soll sich die angedachte Auffanglösung an dem
Modell der Resolution Trust Corp. orientieren. In einer vom Staat
organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach die riskanten Papiere und
faule Kredite gebündelt werden. Im Wochenverlauf hatten die Börsen nach der
Insolvenz von Lehman Brothers und Ängsten vor einer weiteren Verschärfung
der Finanzkrise massiv nachgegeben.
Ölpreis wieder über 100 Dollar
Die Aussicht auf ein
staatliches Rettungspaket für die angeschlagene US-Finanzbranche hat den
Ölpreis am Freitag wieder über 100 Dollar pro Fass getrieben. "Es
gibt ein Gefühl, dass die Krise die Talsohle erreicht hat, und das sehen
einige als guten Zeitpunkt zu kaufen", sagte der unabhängige
Energie-Analyst Gerard Rigby. US-Finanzminister Henry Paulson und
Notenbankchef Ben Bernanke beraten am Wochenende mit dem Kongress über einen
Plan zum Umgang mit den faulen Positionen in den Büchern der Banken.
USA
Die New Yorker Aktienbörse ist am Freitag nach Meldungen
über eine geplante Rettungsaktion für den Bankensektor mit kräftigen
Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dow Jones stieg bis 16.15 Uhr um
312,33 Einheiten oder 2,83 Prozent auf 11.332,02 Zähler. Der S&P-500
Index gewann 33,92 Punkte oder 2,81 Prozent auf 1.240,43 Einheiten. Der
Nasdaq Composite Index stieg um 49,93 Punkte oder plus 2,27 Prozent auf
2.249,03 Einheiten.
London
An der Londoner Börse stiegen die Aktienkurse zum Ende
einer turbulenten Woche ebenso kräftig. Der 100-Aktien-Index der "Financial
Times" kletterte um sieben Prozent nach oben. Auch hier konnten vor
allem die Banken kräftig zulegen: Die Aktie der Royal Bank of Scotland Group
stieg um 42 Prozent. Bei der Lloyds TSB Bank waren es 33 und bei Barclays 29
Prozent. Am Donnerstag hatte Lloyds TSB die Hypothekenbank HBOS übernommen.
Schweiz
In der Schweiz schoss die Aktie der Großbank UBS um
32,9 Prozent in die Höhe und notierte bei 21,20 Franken (13,39 Euro). Die
Vermögensverwaltungsbank Julius Bär machte einen Kurssprung von 23,2
Prozent. Credit Suisse verbesserten sich um 12,9 Prozent. Markante
Kursgewinne gab es auch für die Versicherungen. Swiss Re legten um 9,1
Prozent zu. Zürich-Versicherungen waren 6,5 Prozent teurer als am Vorabend,
und Swiss Life notierten 6,0 Prozent höher.
Asien
Die Börse von Shanghai erlebte am Freitag den größten
Kursanstieg ihrer Geschichte. Nach den positiven Vorgaben der New Yorker
Wall Street schoss der Shanghai-Index um 9,5 Prozent nach oben und blieb
dann auch auf diesem Niveau von etwa 2.075 Punkten. Mehrere Aktien
erreichten das Limit eines Kursanstiegs von zehn Prozent - einen höheren
Tagesgewinn untersagen die Börsenbestimmungen.
Auch die übrigen asiatischen Börsen meldeten am Freitag deutliche Kurssteigerungen. In Hongkong kletterte der Hang-Seng-Index zu Beginn des Handels um sieben Prozent, der Index der Shanghaier Börse legte um knapp zehn Prozent zu.